Wer die Harry-Potter-Filme heute hintereinander schaut, bekommt leicht den Eindruck, als sei die komplette Reihe in einem erstaunlich kurzen Zeitraum entstanden. Die Schauspieler bleiben äußerlich vertraut, Hogwarts steht immer noch am selben Ort und viele Kulissen wirken von einem Film zum nächsten wie selbstverständlich weiterverwendet. Tatsächlich steckt dahinter aber eine Produktion, die sich über ein ganzes Jahrzehnt gezogen hat. Gedreht wurde die Filmreihe von September 2000 bis Dezember 2010.
Das ist für mich einer der interessanteren Aspekte der Reihe, weil man beim genauen Hinsehen tatsächlich sieht, wie viel Zeit zwischen den einzelnen Filmen vergangen ist. Daniel Radcliffe, Rupert Grint und Emma Watson waren beim ersten Dreh Kinder. Beim letzten Film standen ihnen zehn Jahre Erfahrung vor der Kamera zur Verfügung. Die Filme erzählen also nicht nur die Geschichte von Harry, Ron und Hermine – sie dokumentieren nebenbei auch das Aufwachsen ihrer Darsteller.
Der erste Dreh begann im Herbst 2000
Die eigentliche Geschichte der Filmproduktion beginnt nicht mit dem Kinostart des ersten Films, sondern deutlich früher. Die Dreharbeiten zu Harry Potter und der Stein der Weisen starteten am 29. September 2000 in den Leavesden Studios in Hertfordshire. Dort sollte in den folgenden Jahren der feste Produktionsmittelpunkt der gesamten Reihe entstehen.
Leavesden war damals noch nicht das heutige Warner Bros. Studios Leavesden, das Fans inzwischen von der Studio Tour kennen. Das Gelände war ursprünglich ein Flugplatz und wurde schon vor Harry Potter für große Filmproduktionen umgebaut. Für die Potter-Filme erwies sich der Standort als ausgesprochen praktisch: Es gab große Hallen, ausreichend Platz für Kulissen und die Möglichkeit, eine riesige Produktion dauerhaft an einem Ort aufzubauen.
Schon beim ersten Film wurde deutlich, dass man nicht einfach ein paar Räume dekorieren und anschließend wieder abbauen würde. Die Große Halle beispielsweise wurde als vollständige Kulisse errichtet. Sie musste nicht nur auf der Leinwand funktionieren, sondern auch Platz für eine große Zahl von Darstellern und Statisten bieten. Viele dieser Sets blieben anschließend erhalten, weil niemand wissen konnte, welche Elemente in späteren Filmen noch gebraucht werden würden.
Die ersten beiden Filme wurden fast ohne Pause produziert
Bei der ersten Phase der Reihe ging alles ziemlich schnell. Der Stein der Weisen kam 2001 ins Kino, während die Arbeit am zweiten Teil bereits weit fortgeschritten war. Die Produktion von Harry Potter und die Kammer des Schreckens begann am 19. November 2001 – nur wenige Tage nach dem Kinostart des ersten Films.
Das erklärt auch, warum sich die ersten beiden Filme stilistisch so eng miteinander verbunden anfühlen. Chris Columbus führte bei beiden Regie, ein großer Teil des Teams blieb gleich und die Darsteller waren praktisch unmittelbar wieder am Set. Die Welt musste nicht jedes Mal neu erfunden werden. Hogwarts, der Bahnhof, die Winkelgasse und viele andere Schauplätze existierten bereits als funktionierende Filmkulissen.
Interessant wird es beim Blick auf Dobby. Die Figur wurde für die Kammer des Schreckens digital umgesetzt, und allein die Entwicklung seines Designs nahm viel Zeit in Anspruch. Heute wirkt ein vollständig digitaler Charakter in einem Blockbuster fast selbstverständlich. Anfang der 2000er war das allerdings noch eine deutlich aufwendigere Angelegenheit. Gerade solche Details zeigen, weshalb sich die Produktion nicht allein danach beurteilen lässt, wann die Kameras tatsächlich liefen.
Mit dem dritten Film änderte sich der Ton der Reihe
Für Harry Potter und der Gefangene von Askaban begann die Produktion am 24. Februar 2003. Zwischen den Dreharbeiten des zweiten und dritten Films lag damit eine deutlich spürbare Veränderung. Alfonso Cuarón übernahm die Regie und gab der Reihe eine andere visuelle Atmosphäre. Das ist nicht nur eine Frage von Farbe oder Kameraarbeit. Die Filme fühlten sich plötzlich weniger wie klassische Kinderfantasy und stärker wie eigenständige Spielfilme an.
Auch hinter den Kulissen war diese Phase wichtig. Die Darsteller waren inzwischen sichtbar älter geworden. Das ließ sich bei einer Geschichte, deren Figuren selbst erwachsen werden, nicht vermeiden – und wurde zunehmend zu einem Teil der besonderen Dynamik der Reihe.
Die Produktion blieb dabei eng mit Leavesden verbunden. Für Außenaufnahmen kamen jedoch zahlreiche andere Orte in Großbritannien hinzu. Der berühmte Hogwarts-Express etwa wurde nicht einfach in einer Studiokulisse nachgebaut. Viele Szenen entstanden an realen britischen Schauplätzen, wodurch die Filme ihren sehr eigenen Eindruck von Großbritannien bekamen.
Die Filmreihe wurde zu einer dauerhaft laufenden Großproduktion
Nach dem dritten Film war klar, dass Harry Potter kein kurzfristiges Filmprojekt mehr war. Die nächsten Produktionen liefen zunehmend ineinander über. Der Feuerkelch entstand unter der Regie von Mike Newell, danach übernahm David Yates die Regie und blieb bis zum Ende der Reihe dabei.
Gerade diese Kontinuität halte ich für einen wichtigen Grund dafür, dass sich die acht Filme trotz wechselnder Regisseure wie Teile eines zusammenhängenden Projekts anfühlen. Die Kulissen wurden weitergebaut, Kostüme und Requisiten archiviert und Produktionsabläufe auf die langfristige Arbeit mit denselben Figuren abgestimmt.
Warner Bros. hatte Leavesden für die Potter-Produktion langfristig genutzt. Im Laufe der Jahre entstand dort praktisch eine eigene kleine Filmwelt. Laut Angaben des heutigen Studios wurden über die zehn Jahre hinweg 588 Sets geschaffen. Einige waren riesig und dauerhaft angelegt, andere existierten nur für bestimmte Szenen.
| Film | Beginn der Dreharbeiten | Kinostart |
|---|---|---|
| Harry Potter und der Stein der Weisen | 29. September 2000 | 2001 |
| Harry Potter und die Kammer des Schreckens | November 2001 | 2002 |
| Harry Potter und der Gefangene von Askaban | Februar 2003 | 2004 |
| Harry Potter und der Feuerkelch | 2004 | 2005 |
| Harry Potter und der Orden des Phönix | 2006 | 2007 |
| Harry Potter und der Halbblutprinz | 24. September 2007 | 2009 |
| Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 | 19. Februar 2009 | 2010 |
| Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2 | 2009–2010, parallel mit Teil 1 | 2011 |
Warum zwischen Dreh und Kinostart manchmal so viel Zeit lag
Bei Harry Potter sollte man Drehzeit und Erscheinungsjahr nicht durcheinanderbringen. Das fällt besonders beim Halbblutprinzen und bei den beiden letzten Filmen auf. Der sechste Film begann bereits im September 2007 mit den Hauptdreharbeiten, kam aber erst 2009 ins Kino.
Das lag nicht daran, dass die Produktion zwei Jahre lang ununterbrochen mit denselben Szenen beschäftigt war. Nach den eigentlichen Dreharbeiten folgen Schnitt, visuelle Effekte, Musik, Ton, Farbkorrektur und zahlreiche weitere Arbeitsschritte. Bei einer Fantasyproduktion dieser Größenordnung können allein die visuellen Effekte Monate in Anspruch nehmen.
Ein gutes Beispiel ist der Unterschied zwischen dem, was am Set passiert, und dem, was später auf der Leinwand zu sehen ist. Schauspieler stehen häufig vor relativ einfachen Studiobereichen, während im fertigen Bild daraus ein komplexer Schauplatz entsteht. Gerade in den späteren Filmen nahm dieser digitale Anteil deutlich zu.
Die letzten beiden Filme wurden praktisch als ein großes Projekt gedreht
Besonders spannend ist die Produktion von Harry Potter und die Heiligtümer des Todes. Das letzte Buch wurde für das Kino in zwei Filme aufgeteilt. Gedreht wurden diese beiden Teile jedoch weitgehend gemeinsam. Die Dreharbeiten zu Teil 1 begannen am 19. Februar 2009.
Das hatte einen einfachen praktischen Grund: Man wollte die Handlung nicht über einen langen Zeitraum auseinanderziehen und gleichzeitig verhindern, dass die Darsteller zwischen zwei Produktionen noch einmal deutlich älter wurden. Die beiden Filme wurden deshalb als zusammenhängendes Großprojekt behandelt.
Die Produktion dauerte deutlich länger als ursprünglich vorgesehen. Die eigentlichen Aufnahmen liefen bis Sommer 2010, zusätzliche Nachdrehs folgten später. Erst im Dezember 2010 war die Filmreihe endgültig abgedreht. Damit endete eine Produktionsphase, die zehn Jahre zuvor mit dem ersten Harry-Potter-Film begonnen hatte.
Das berühmte letzte Kapitel mit dem Zeitsprung um 19 Jahre war dabei Teil der Nacharbeiten. Genau solche Szenen zeigen, wie wenig sinnvoll es ist, einen einzigen Drehtag als „Ende“ einer Filmproduktion zu betrachten. Nach dem letzten großen Set-Tag kommen oft noch Korrekturen, zusätzliche Aufnahmen und Feinarbeiten hinzu.
Was sich in diesen zehn Jahren am Set verändert hat
Wenn man die Filme chronologisch schaut, ist die Entwicklung der Darsteller wahrscheinlich das Auffälligste. Beim ersten Film waren Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint noch Kinder. Im letzten Film sind sie junge Erwachsene, die seit einem Jahrzehnt praktisch mit derselben Filmcrew gearbeitet haben.
Auch die Produktion selbst veränderte sich. Die technischen Möglichkeiten wurden besser, die Geschichten wurden aufwendiger und die Anforderungen an die Spezialeffekte stiegen. Gleichzeitig musste die Crew die Kontinuität einer Welt bewahren, deren einzelne Teile teilweise Jahre auseinanderlagen.
Ein schönes Beispiel dafür ist das Zuhause der Weasleys. Der Bau wurde für Der Halbblutprinz teilweise zerstört und anschließend für die späteren Filme wieder aufgebaut und verändert. Solche Entscheidungen sind im fertigen Film kaum sichtbar. Für die Produktion bedeuten sie jedoch, dass Kulissen nicht einfach Kulissen sind, sondern über Jahre hinweg verwaltet, umgebaut und manchmal bewusst wieder beschädigt werden müssen.
Leavesden wurde durch Harry Potter dauerhaft verändert
Die Verbindung zwischen der Filmreihe und Leavesden endete nicht einfach mit dem letzten Drehtag. Warner Bros. kaufte das Studiogelände im Jahr 2010 und entwickelte es anschließend zu einem dauerhaften Produktionsstandort weiter. 2012 öffnete dort die Warner Bros. Studio Tour London.
Für Fans ist das heute beinahe ein Teil der Harry-Potter-Erfahrung selbst. Viele originale Kulissen, Requisiten und Kostüme wurden nach dem Ende der Produktion nicht entsorgt. Das Studio hatte sie über Jahre aufbewahrt, gerade weil die Verantwortlichen wussten, dass die Gegenstände für spätere Filme wieder gebraucht werden könnten. Nach dem Ende der Reihe bildeten diese Dinge schließlich die Grundlage für die Ausstellung.
Wenn man heute durch die erhaltenen Sets geht, bekommt der zehnjährige Produktionszeitraum eine ganz andere Dimension. Man sieht nicht nur Hogwarts oder die Winkelgasse, sondern die Spuren einer Produktion, die über Jahre hinweg immer weitergebaut wurde. Ein Filmset, das ursprünglich für eine einzelne Szene gedacht war, konnte Jahre später wieder eine Rolle spielen.
Vom ersten Drehtag bis zum letzten Zauberstab
Die kurze Antwort auf die Frage „Wann wurden die Harry-Potter-Filme gedreht?“ lautet also: von September 2000 bis Dezember 2010. Die acht Filme entstanden nicht nacheinander mit langen Pausen, sondern als fortlaufendes Großprojekt, dessen Mittelpunkt über ein Jahrzehnt die Leavesden Studios waren. Die beiden letzten Teile wurden sogar weitgehend gemeinsam produziert.
Was ich an dieser Zeitspanne besonders interessant finde, ist weniger die Zahl selbst als das, was dahintersteckt. Zehn Jahre sind für eine Filmproduktion außergewöhnlich lang. Für die Schauspieler bedeutete es praktisch ihre gesamte Jugend und den Übergang ins Erwachsenenalter. Für die Crew bedeutete es, dieselbe fiktive Welt immer wieder neu zu bauen, ohne ihre Wiedererkennbarkeit zu verlieren.
Vielleicht erklärt genau das, weshalb die Harry-Potter-Filme beim erneuten Anschauen eine ungewöhnliche Wirkung haben. Man sieht nicht nur, wie Harry älter wird. Man sieht auch, wie sich ein Filmprojekt verändert, während die Menschen dahinter mit ihm wachsen. Der letzte Abspann beendet deshalb nicht nur eine Geschichte aus der Zauberwelt. Er markiert tatsächlich das Ende eines zehnjährigen Produktionsabschnitts – und genau darin liegt ein Teil dessen, was die Filmreihe bis heute so eigenständig macht.
Illustrationen und Bilder: Magnific (https://www.magnific.com)
Nicht jeder gute Film braucht spektakuläre Effekte oder ein riesiges Budget. Alte Klassiker, besondere Dialoge und starke Geschichten haben deshalb einen festen Platz auf der Watchlist – gern ergänzt durch moderne Produktionen mit eigenem Charakter.
