Zum Inhalt springen

Wo Wurde Der Film „Das Mädchen Am Strand“ Gedreht? Die Drehorte und Hintergründe zum Film

Wer „Das Mädchen am Strand“ nicht nur nebenbei schaut, merkt schnell, dass die Landschaft hier fast eine eigene Rolle übernimmt. Die Ostsee liegt ständig in der Luft: breite Strände, Steilküsten, kleine Straßen und diese norddeutsche Mischung aus Ferienort und ganz normalem Alltag. Gerade deshalb wirkt der Film an manchen Stellen so, als sei das fiktive Nordholm ein tatsächlich existierender Ort. Ich habe bei solchen Produktionen oft den Eindruck, dass die Landschaft stärker zur Geschichte beiträgt, als man beim ersten Anschauen bemerkt.

Genau hier liegt allerdings der kleine Haken: Nordholm gibt es nicht. Für den ZDF-Zweiteiler wurde kein einzelner Ort ausgewählt, der anschließend einfach unter einem anderen Namen auf der Leinwand auftaucht. Stattdessen setzte das Produktionsteam die erfundene Kleinstadt aus mehreren realen Orten in Schleswig-Holstein, Hamburg und sogar Dänemark zusammen. Die Dreharbeiten fanden vom 13. Mai bis zum 18. Juli 2019 statt.

Lütjenburg wird zu Nordholm

Wenn ich einen Ort aus dem Film herausgreifen müsste, der am deutlichsten für das fiktive Nordholm steht, wäre es Lütjenburg. Die Kleinstadt im Kreis Plön liefert viele der Bilder, bei denen man zunächst gar nicht darüber nachdenkt, dass hier gar kein erfundener Küstenort zu sehen ist. Straßen, Häuser, Geschäfte und die kleinstädtische Umgebung wurden so in die Handlung eingebaut, dass daraus eine glaubwürdige Filmwelt entsteht.

Lütjenburg ist dafür auch aus einem praktischen Grund interessant. Die Stadt liegt nicht direkt am Meer, sondern etwas landeinwärts. Für die Produktion bedeutete das, dass sich die urbane beziehungsweise kleinstädtische Atmosphäre und die Küstenlandschaft getrennt voneinander drehen und anschließend zu einem einzigen Handlungsort verbinden ließen. Im fertigen Film fällt dieser Wechsel kaum auf. Gerade das macht die Arbeit an den Drehorten interessant: Man sieht nicht unbedingt den geografisch zusammenhängenden Ort, sondern die jeweils passende Kulisse.

Einige Szenen wurden beispielsweise in der Neuwerkstraße in Lütjenburg gedreht. Wer den Film kennt, kann bei einem späteren Besuch deshalb durchaus versuchen, die Umgebung wiederzuerkennen. Allerdings sollte man nicht erwarten, dass jede Einstellung exakt dort entstanden ist, wo die Handlung sie geografisch verortet.

Die Ostsee bei Hohwacht: Hier bekommt der Titel sein Gesicht

Besonders prägend sind die Strandaufnahmen. Für die Abiturfeier, die für die Handlung eine wichtige Ausgangssituation bildet, nutzte das Team den Strand von Alt-Hohwacht. Das ist einer dieser Drehorte, bei denen sofort verständlich wird, warum eine Produktion sich für Schleswig-Holstein entschieden hat. Der Strand wirkt nicht wie eine künstlich hergerichtete Filmkulisse. Wind, Himmel, Wasser und die offene Küstenlinie liefern bereits alles, was die Geschichte braucht.

Gerade die Hohwachter Küste hat im Film eine interessante Wirkung. Einerseits sieht man die typische Ferienlandschaft der Ostsee, andererseits bekommt sie durch die Handlung etwas Unruhiges. Ein Strand, der im Urlaub freundlich und beinahe harmlos wirkt, kann auf der Leinwand plötzlich ganz anders erscheinen, wenn dort eine Abiturfeier endet und ein Mädchen verschwindet. Diese Veränderung entsteht weniger durch spektakuläre Ausstattung als durch Kamera, Wetter und Inszenierung.

Wer den Ort aus dem Film wiederfinden möchte, sollte deshalb nicht nur auf einzelne Gebäude achten. Viel leichter erkennt man die Küste an ihrer Steilküste und der charakteristischen Strandlandschaft. Einige der bekanntesten Bilder der Nordholm-Geschichte hängen genau an diesem Wechsel zwischen offenem Meer und dicht bebauter Umgebung.

Schwedeneck: Strandhaus und Waldkulisse

Ein weiterer wichtiger Drehbereich liegt in der Gemeinde Schwedeneck an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Besonders auffällig ist das Strandhaus in Schwedeneck, das im Film als Lokal am Strand zu sehen ist. Solche Orte sind für Fernsehproduktionen ausgesprochen dankbar, weil sie nicht nur hübsch aussehen, sondern bereits eine glaubwürdige Funktion besitzen. Ein Restaurant direkt am Wasser muss für eine Geschichte nicht erst künstlich erklärt werden.

Auch ein Wald in der Gemeinde Schwedeneck wurde für eine entscheidende Kulisse genutzt. Dort entstanden Aufnahmen rund um den Fund eines toten Mädchens. Interessant ist dabei ein kleines Detail aus der norddeutschen Filmwelt: Derselbe Wald wurde kurze Zeit zuvor auch für einen Kieler „Tatort“ genutzt. Wer häufiger deutsche Krimiproduktionen schaut, wird solche Überschneidungen irgendwann bemerken. Schleswig-Holstein bietet zwar sehr unterschiedliche Landschaften, aber bestimmte Wälder, Küstenabschnitte und Landstraßen tauchen immer wieder in verschiedenen Produktionen auf.

Das zeigt auch, warum man bei der Suche nach einem einzelnen „Drehort von Nordholm“ schnell an Grenzen kommt. Die Filmwelt ist bewusst zusammengesetzt. Ein Ort liefert die Straße, ein anderer den Strand, ein dritter das Gebäude – und im Schnitt wirkt alles wie eine zusammenhängende Kleinstadt.

Gremersdorf und die Dazendorfer Steilküste

Besonders markant sind die Aufnahmen rund um Gremersdorf. Gedreht wurde unter anderem am Parkplatz „Dazendorfer Steilküste“. Dort war das Filmteam während der Produktion tatsächlich mit einem großen mobilen Büro vor Ort. Fotos vom Set zeigen, wie viel Technik hinter den scheinbar ruhigen Küstenbildern steckt: Kameratechnik, Beleuchtung, Maske und Ausstattung müssen auch an einem offenen Küstenabschnitt funktionieren.

Das ist bei „Das Mädchen am Strand“ durchaus bemerkenswert, weil die Landschaft im fertigen Film sehr natürlich aussieht. Man sieht eben nicht, wie aufwendig es sein kann, an einer Steilküste eine Szene mit mehreren Schauspielern zu drehen. Wind und wechselndes Licht gehören dort zur Realität. Gleichzeitig muss eine Szene über mehrere Einstellungen hinweg zusammenpassen. Ein bewölkter Himmel kann dabei schon ausreichen, um einen Schnitt zwischen zwei Aufnahmetagen problematisch zu machen.

In Gremersdorf und Umgebung zeigt sich deshalb besonders gut, wie stark die Produktion auf reale Landschaften gesetzt hat. Die Küste muss nicht spektakulär inszeniert werden. Ihre Wirkung entsteht schon durch die Weite und die Höhe der Steilküste.

Auch Dahme gehört zur Filmkulisse

Ein weiterer Drehort war Dahme im Kreis Ostholstein. Der Ort passt in das geografische Bild der Produktion, denn auch hier verbindet sich die klassische Ostseekulisse mit der eher ruhigen Atmosphäre eines Küstenortes. Für den Zuschauer verschmilzt Dahme allerdings mit den anderen Schauplätzen, weil der Film nicht versucht, die einzelnen Orte als touristische Sehenswürdigkeiten vorzustellen.

Das gefällt mir an dieser Art von Produktion besonders. Man bekommt keine Postkartenansicht von Schleswig-Holstein präsentiert. Die Kamera sucht vielmehr nach Orten, die zur Stimmung der Geschichte passen. Eine Straße ist interessant, weil dort jemand beobachtet wird. Ein Strand wird wichtig, weil dort eine Feier stattfindet. Ein Wald bekommt eine völlig andere Bedeutung, sobald dort ein Verbrechen entdeckt wird.

Warum auch Hamburg im Film auftaucht

Obwohl „Das Mädchen am Strand“ stark mit der Ostsee verbunden ist, wurde auch in Hamburg gedreht. Das passt zur Geschichte, denn Kommissar Simon Kessler gehört zur Hamburger Mordkommission. Damit braucht die Produktion nicht nur die fiktive Kleinstadt Nordholm, sondern auch die größere städtische Umgebung.

Dieser Wechsel zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein ist erzählerisch sinnvoll. Hamburg steht für die überregionale Ermittlungsarbeit, während Nordholm enger, persönlicher und beinahe abgeschottet wirkt. Die geografische Trennung unterstützt damit eine Atmosphäre, die man im Film immer wieder spürt: Die Ermittler kommen von außen in eine Gemeinschaft, in der viele Menschen einander kennen und trotzdem längst nicht alles voneinander wissen.

Eine Überraschung: Einige Szenen entstanden in Dänemark

Wer bei der Recherche nur nach deutschen Drehorten sucht, übersieht einen interessanten Teil der Produktion. Für bestimmte Szenen wurde auch auf der dänischen Insel Møn gedreht. Die Ferienanlage in Klintholm diente unter anderem als Kulisse für die Unterkunft von Hella Christensen. Dadurch landet man bei der Suche nach Nordholm plötzlich außerhalb Deutschlands.

Auch ein Blick auf einzelne Aufnahmen macht die internationale Seite der Dreharbeiten sichtbar. Bei einer Szene mit Jule ist im Hintergrund die südliche Farø-Brücke zu erkennen, die zu den dänischen Inseln Falster und Farø gehört. Solche Details sind leicht zu übersehen, weil sie nicht als touristische Sehenswürdigkeiten in Szene gesetzt werden. Wer den Film später noch einmal mit diesem Wissen schaut, entdeckt allerdings einige Hinweise darauf, wie weit das Produktionsteam tatsächlich unterwegs war.

Die wichtigsten Drehorte auf einen Blick

  • Lütjenburg: zahlreiche Szenen der fiktiven Kleinstadt Nordholm, unter anderem in der Neuwerkstraße.
  • Alt-Hohwacht: Strandkulisse für die Abiturfeier und weitere Küstenszenen.
  • Schwedeneck: Strandhaus sowie Waldaufnahmen und weitere Szenen an der Ostseeküste.
  • Gremersdorf: unter anderem der Bereich der Dazendorfer Steilküste.
  • Dahme: weitere Aufnahmen an der Ostseeküste von Ostholstein.
  • Hamburg: Szenen, die den städtischen Teil der Handlung und Kesslers Umfeld zeigen.
  • Klintholm auf Møn: unter anderem Kulisse für Hellas Unterkunft.

Warum Nordholm trotzdem wie ein echter Ort wirkt

Vielleicht ist genau das die interessanteste Seite der Drehorte. Bei vielen Fernsehfilmen erkennt man sofort, dass eine Stadt aus mehreren Schauplätzen zusammengesetzt wurde. Bei „Das Mädchen am Strand“ funktioniert die Täuschung erstaunlich gut, weil die Orte alle eine ähnliche norddeutsche Grundstimmung mitbringen. Rote Backsteine, niedrige Gebäude, Küstenstraßen, Wald und Ostseestrände ergeben zusammen ein Bild, das plausibel genug ist, um Nordholm als realen Ort zu akzeptieren.

Hinzu kommt die Entscheidung, keine übertrieben touristischen Motive in den Vordergrund zu stellen. Die Ostsee ist ständig präsent, aber sie wird nicht wie eine Urlaubskulisse behandelt. Genau dadurch entsteht die etwas melancholische Atmosphäre des Zweiteilers. Der Strand ist nicht nur schön, sondern wird zum Ort eines Ereignisses. Der Wald ist nicht einfach Natur, sondern trägt etwas Bedrohliches. Und eine scheinbar gewöhnliche Kleinstadtstraße kann plötzlich Teil eines Verbrechens werden.

Die Dreharbeiten zeigen deshalb ziemlich schön, wie Fernsehen mit realen Orten arbeitet. Nordholm ist erfunden, seine Landschaft aber ist echt. Wer den Film nachschaut und dabei auf die Hintergründe achtet, wird feststellen, dass sich die einzelnen Schauplätze gar nicht widersprechen. Sie ergänzen sich vielmehr zu einem Ort, den es auf der Landkarte nicht gibt.

Was von den Drehorten nach dem Film bleibt

Bei einer Recherche zu solchen Produktionen suche ich irgendwann nicht mehr nur nach dem Gebäude oder dem Strand aus einer bestimmten Szene. Interessanter wird die Frage, warum gerade dieser Ort funktioniert. Bei „Das Mädchen am Strand“ ist die Antwort erstaunlich einfach: Die Ostseeküste von Schleswig-Holstein bringt eine Atmosphäre mit, die man nicht künstlich herstellen muss.

Das erklärt auch, weshalb der Film beim späteren Wiedersehen anders wirken kann. Wenn man weiß, dass Lütjenburg für Nordholm steht, dass der Strand von Alt-Hohwacht hinter der Abiturfeier steckt und dass Schwedeneck ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, bekommt die scheinbar einheitliche Filmwelt kleine Risse – im positiven Sinn. Plötzlich erkennt man, wie sorgfältig die verschiedenen Landschaften miteinander verbunden wurden.

Vielleicht liegt darin der eigentliche Reiz der Drehorte: Nordholm muss gar nicht existieren. Der Ort funktioniert gerade deshalb, weil seine Bestandteile real sind. Man kann an einem Strand stehen, durch eine Straße in Lütjenburg gehen oder an der Küste von Schwedeneck entlangfahren und wissen, dass hier einmal eine Geschichte gespielt wurde, die selbst an keinem dieser Orte vollständig stattgefunden hat. Für einen Krimi ist das ein ziemlich passender Gedanke: Man sucht nach einem einzigen Ort und findet am Ende eine ganze Landschaft.

Illustrationen und Bilder: Magnific (https://www.magnific.com)

Schreibe einen Kommentar